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Design Thinking im E-Learning

 

Design Thinking beschreibt einen Ansatz für den Prozess, den Designer oder kreative Teams in der Erstellung eines Designkonzepts, der Entwicklung eines Prototypen, einer Test- und Auswertungsphase bis hin zum fertigen Produkt durchlaufen. Dabei ist nicht festgelegt, um welche Art von Produkt es sich handelt. Es kann sich um ein architektonisches Projekt, einen Gebrauchsgegenstand, eine Website oder auch um abstrakte Dinge wie ein Regelwerk oder eine Strategie handeln.

Die Ursprünge des Design Thinking gehen bereits auf die Fünfziger Jahre zurück. Autoren wie John E. Arnold und Bruce Archer befassten sich schon damals mit neuen Ansätzen zur kreativen Problemlösung. Der Design Thinking Ansatz wurde seitdem immer weiter entwickelt und wird heute unter anderem durch das Hasso Plattner Institute of Design gelehrt.

Die grundlegenden Prinzipien des Design Thinking sind:

  • Die Integration von multidisziplinären Teams in den gesamten Designprozess
  • Die gemeinsame Entwicklung von Fragestellungen zur Lösung von Problemen
  • Die Berücksichtigung von Bedürfnissen und Motivationen der Menschen, also auch das Hineinversetzen der Designer in die Rolle der Nutzer (nutzerorientiertes Erfinden)
  • Fehler sind gewünscht, da sie eine Möglichkeit zum Lernen und der Verbesserung bieten
  • Test- und Auswertungsphasen werden in den Designprozess integriert
  • Das Konzept des variablen Raums: Damit das Designteam sein kreatives Potential voll entfalten kann, soll ihm ein sogenannter variabler Raum zur Verfügung stehen (z. B. Platz für Whiteboards/Metaplanwände, bewegbare Möbel und vielfältige Materialien zur Gestaltung von Prototypen)

Der Design Thinking Prozess

Der Design Thinking Prozess ist an den intuitiven Arbeitsprozess von Designern angelehnt und lässt sich in 6 aufeinanderfolgende Phasen aufteilen. Diese können auch mehrmals durchlaufen werden, sofern dies nötig ist.

Design thinking

Verstehen

In der Phase des Verstehens wird das Problem so genau wie möglich definiert.

Beobachten

In der Beobachtungsphase wird der Fokus nach außen auf die Benutzer des Produktes gerichtet. Welche Bedürfnisse und Erwartungen haben sie? Wie können diese am besten erfüllt werden?

Ideen finden

In der Ideen-Findungsphase oder Ideationsphase entwickelt das Design Thinking Team zunächst mehrere Lösungsansätze um sich danach zu fokussieren.

Prototyp entwickeln

Mit der Prototypen-Entwicklung sollen konkrete Lösungen gefunden werden.

Testen

Durch das Testen der Prototypen in Benutzergruppen werden weitere Verbesserungspotentiale aufgedeckt. Die Erkenntnisse aus den Tests können danach in die Weiterentwicklung des Prototyps einfließen.

Implementieren

Wenn ein rundum zufriedenstellendes Produkt entwickelt wurde, kann es jetzt eingesetzt werden.

 

Der Design Thinking Ansatz im E-Learning

Der Design thinking Prozess

Aufgrund der hohen Fokussierung auf die Nutzer sowie den tatsächlichen Nutzen eines Produktes eignet sich der Design Thinking Ansatz auch für die Erstellung von E-Learning oder Blended Learning Konzepten sehr gut. Das Problem vieler E-Learning Module, die mangelnde Attraktivität oder die Vernachlässigung der Bedürfnisse und Vorlieben der Zielgruppe, wird durch den Design Thinking Ansatz eliminiert, da dieser sich explizit an den Nutzerbedürfnissen orientiert.

Dabei ist die E-Learning Konzeption mittels Design Thinking deutlich aufwändiger als dies in der täglichen Praxis vieler Unternehmen, welche elektronische Lerneinheiten selbst produzieren, der Fall ist. Aus diesem Grund werden auch nur Unternehmen mit einer hohen Innovationsbereitschaft bereit sein, die höheren Produktionskosten zu tragen. Für diese könnte es sich aber lohnen, denn ein Kurs, der eng an den Bedürfnissen der Endnutzer konzipiert wurde, wird einen deutlich besseren Lernerfolg erreichen, als schnell produzierte Standardware.

Die 6 Phasen des Design Thinking in der E-Learning Produktion

Verstehen

Als Erstes legen Sie gemeinsam mit dem Team fest, welches Problem mit Ihrem Projekt gelöst werden soll, bzw. welche Herausforderung gemeistert werden muss. Schreiben Sie auf, welche Kompetenzen die Lerner nach Beendigung des Kurses haben sollen, sowie in welchem Ausprägungsgrad.

Beobachten

In der zweiten Phase setzen Sie sich intensiv mit Ihrer Zielgruppe auseinander. Lernen Sie diese so gut wie möglich kennen. Wie medienkompetent ist die Zielgruppe? Wie waren die bisherigen E-Learning Erfahrungen? Hier kann es sehr hilfreich sein, eine Umfrage oder Interviews durchzuführen um wichtige Informationen zu erlangen. Gab es Probleme mit bisherigen E-Learning Schulungen? Wurden die Kurse von der Zielgruppe gut angenommen? Sowohl negatives als auch positives Feedback kann Ihnen hier wertvolle Hinweise geben, welchen Weg Sie mit dem neuen Produkt einschlagen sollten. Befassen Sie sich auch intensiv mit den technischen Gegebenheiten die Ihnen für die Produktion zur Verfügung stehen (Autorentool, Lernmanagementsystem, Video- und oder Audio-Equipment) und den Endgeräten, die von den Lernenden verwendet werden (Desktop-Computer, Smartphones oder Tablets). So stecken Sie die technischen Begrenzungen ab, in denen sich der kreative Prozess abspielen kann.

Ideen finden

In der Ideationsphase entwickeln Sie mit Ihrem Team verschiedene Lösungsansätze um diese danach gemeinsam zu diskutieren. Natürlich bieten sich hierfür Mockup-Tools und Designprogramme an, da Sie ein Lernprogramm entwickeln. Beim Design Thinking sind Ihrer Kreativität jedoch keine Grenzen gesetzt, was die Wahl der Mittel anbelangt. Sie können Ihre Lösungsansätze auch beispielsweise zeichnen oder basteln, wenn Sie damit Ihren Ansatz gut veranschaulichen können. Die Lösungsansätze werden dann im Designteam diskutiert, bis klar ist, wie der Prototyp beschaffen sein soll.

Prototyp entwickeln

Wenn sich das Team auf einen Lösungsansatz einigen konnte, können Sie nun mit der Entwicklung des Prototypen beginnen. Der Prototyp muss jetzt allerdings als tatsächlich funktionierende E-Learning Einheit erstellt werden. Es bietet sich an, ein kurzes Unterkapitel ihres Kurses umzusetzen, da hierfür das grafische Design sowie das UX-Design schon benötigt werden. Gehen Sie dafür durch die traditionellen Schritte in der Kurserstellung vom grafischen Mockup bis zur Erstellung des Prototypen in Ihrem Autorentool. Wenn das Designteam mit dem Prototypen zufrieden ist, kann dieser durch eine Lernergruppe getestet werden.

Testen

Lassen Sie den Prototypen intensiv durch eine Lernergruppe testen. Lassen Sie die Testgruppe anschließend einen Fragebogen ausfüllen um deren Impressionen zu gewinnen. Integrieren Sie Freitextfelder, damit Sie so viele Erkenntnisse wie möglich gewinnen können. Durch die Auswertung der Nutzerbefragung bekommen Sie ein gutes Bild über Verbesserungsmöglichkeiten und Schwachstellen Ihres Prototyps. Basierend auf Ihren Erkenntnissen können Sie nun einen verbesserten Prototyp erstellen, oder bereits die Erstellung des finalen Produkts beginnen.

Implementieren

Wenn Ihr Prototyp den Nutzertest erfolgreich bestanden hat, kann das finale Produkt erstellt und verteilt werden. Die nutzerzentrierte Herangehensweise des Design Thinking Prozesses stellt sicher, dass Ihr Produkt gut von den Endnutzern angenommen wird und eine hohe Lernmotivation erzeugt.

Fazit

Zu Beginn mag der Design Thinking Ansatz sehr ungewöhnlich anmuten, aber mit der Zeit werden sich auch die konservativeren Kollegen damit anfreunden. Die Fokussierung der Designer auf die Perspektive der Endnutzer hilft dabei, eine Vielzahl von Problemen zu lösen und sorgt für eine deutliche Weiterentwicklung Ihrer digitalen Weiterbildungsstrategie.  

 

Lesen Sie auch unsere Artikel über die Erstellung von E-Learning Kursen oder über SCORM-Kompatibilität.

Falls Sie Interesse haben, noch mehr über Design Thinking zu lernen, können Sie den kostenlosen MOOC-Kurs des Hasso Plattner Instituts belegen.

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